Pocketslider – Der motorisierte Slider auf IGUS Basis

Schon seit geraumer Zeit habe ich mit dem Gedanken gespielt mir einen motorisierten Slider für Timelapseaufnahmen oder für weiche und gleichmäßige Fahrten im Videobereich zuzulegen. Auf der einen Seite bestand die Möglichkeit selber etwas zu bauen und für einige Tage in den Hobbykeller zu verschwinden, auf der anderen Seite bietet der Markt viele unterschiedliche Lösungen zum Kauf an. Eine der bekanntesten Möglichkeiten ist hier sicherlich der motorisierte Slider von Kessler in der Philip Bloom Edition, mit über 2000$ aber sicher auch einer der Teuersten. So schaute ich mir viele Videos bei Vimeo an, um einen Eindruck der jeweiligen Lösungen zu bekommen.

Dabei stieß ich auf die Videos des Vimeo Users Ben, der wundervolle Timelapse Filme zeigt und dabei auf einen elektronischen Slider setzt, der auf die IGUS Produkte aufbaut. Ein glücklicher Zufall war es wohl, dass er diese auch via www.pocketslider.de kommerziell anbietet und vertreibt. Eine preislich attraktive Alternative, die aufgrund der gewählten Materialien auch noch robust und wertig erscheint: Dieser Slider sollte es also werden.

Ich bestellte den Slider also online und konnte ihn nach ca. 14 tägiger Wartezeit direkt in Köln abholen. Dabei wird dem Kunden nach der Bestellung der Termin für die Fertigstellung des Sliders genannt.

Der erste Eindruck

Ich entschied mich für die kürzere (75 cm) Version des Sliders und orderte die hierfür zur Verfügung stehende Tasche direkt mit. Es handelt sich dabei um eine Standard-Stativtasche der Marke Cullmann, sie ist wertig und die 75 cm Version passt ohne weiteres hinein. Ist man bereits im Besitz einer solchen Tasche kann hierauf auch verzichtet werden. Für mich bietet sie eine gute Möglichkeit den Slider zu transportieren.

Wie erwähnt setzt der Slider auf eine IGUS Schiene auf. Der Motor, die Zahnräder und ein wenig Elektronik befinden sich unter einem sauber gearbeiteten Gehäuse. Gefertigt ist dies aus schwarzem, pulverbeschichtetem Aluminium. Auf der IGUS Schiene befindet sich eine Zahnstange, die dem Slider mittels Zahnrad die Fortbewegung erlaubt.

Der Deckel lässt sich ohne Werkzeug entfernen und offenbart die sauber gearbeitete Technik darunter. Alles wirkt mit viel Liebe zum Detail gefertigt und durchdacht. Der Motor selbst kann ebenfalls ohne Werkzeug entfernt werden. Dafür werden lediglich 2 größere Schrauben an der Unterseite des Sliderschlittens gelöst. Der Deckel ist mittels Steckverbindung mit der Bodenplatte in Kontakt. So lässt er sich ohne Aufwand komplett entfernen.

Der Deckel verfügt über eine 3/8″ Schraube und kann so jeden üblichen Stativ-Kopf aufnehmen. Gesteuert wird der Slider via zwei Controller-Einheiten, wobei der sog. “Remote-Timer” nur bei Langzeitbelichtungen zum Einsatz kommt.

Der “Main Controller” versorgt den Motor mit Energie und erlaubt zugleich Einfluss auf die Richtung und die Geschwindigkeit. Letzteres lässt sich dabei zwischen 27 min/m und 6 min/m variieren. Damit steht sowohl sehr langsamen, aber auch schnelleren Kamerafahrten nichts mehr im Wege. Gespeist wird der Motor dabei von 8 Mignonzellen. Ich selber besitze den Slider nun seit gut vier Wochen und benutze immer noch den ersten Satz Eneloops. Dabei sind bereits einige erste Timelapseaufnahmen entstanden. Pocketslider.de gibt eine Laufzeit von ca. 10 Stunden im “drive and shoot” Modus an. Dies sollte im Alltag mehr als ausreichend sein.

Im Einsatz

Dabei muss der Benutzer keineswegs die ganze Zeit neben dem Slider stehen. An beiden Enden der Schiene befinden sich Platten, die den mechanischen Kontakt im Schlitten betätigen und dafür sorgen, dass er selbstständig zum Stillstand kommt. Mittels manuellem Schalter an der Unterseite des Schlittens (vgl. Impressionsvideo) kann dieser Kontakt überbrückt werden und der Schlitten kann somit ohne weiteres komplett von der Schiene gefahren werden. Dreht man ihn so um, dass das Zahnrad nicht in die Zahnstange greift, lässt sich dieser Slider problemlos manuell benutzen und ermöglicht schöne, weiche manuelle Slides per Hand.

Der erwähnte Remote Timer ermöglicht darüber hinaus Intervallfahrten zwischen 2 und 90 Sekunden. Dabei fährt der Slider, je nach Einstellung, alle X Sekunden ein Stück weiter. Bilder, die länger belichtet werden (zum Beispiel bei nächtlichen Timelapse-Aufnahmen) bleiben so scharf.

Der Slider lässt sich ohne weiteres auf ein Stativ montieren; hierfür verfügt er über drei 1/4″ Bohrungen (jeweils an den Ende und in der Mitte). Ich nutze eine Manfrotto Schnellwechselplatte, die den Slider fest mit dem Stativ verbindet. Aufgrund des Eigengewichtes von knapp 6 Kg sollte hier keine günstige Plastiklösung gewählt werden. Diese sorgt nur für Wackelaufnahmen.

Fazit

Der hier beschriebene Slider leistet sich bisher keinerlei Schwächen und kann vollends Punkten. Für Timelapseaufnahmen oder bewegte Videoaufnahmen bietet er alles was das Herz begehrt. Die IGUS Basis sorgt für hohe Wertigkeit und Stabilität. Die Arbeiten von Pocketslider.de sind sauber und mit viel Liebe zum Detail durchgeführt worden. Alles sitzt perfekt und ist am richtigen Platz. Lediglich das hohe Eigenwicht von knapp 6 Kg schränkt die Mobilität am Drehort etwas ein. Die verfügbare Tasche (nur bei der 75 cm Version) sorgt hier für etwas Entlastung. Ich kann das System nur empfehlen. Die folgenden Videos und die Gallery geben weitere Eindrücke zum Slider.

Videoimpressionen zum Slider

Der Slider im Video- und Timelapse-Einsatz

 

Bildergallery

8 Comments

  • […] spontanen Shooting. Das Motiv? Sein Jeep Grand Cherokee SRT8. Ausgerüstet mit dem elektronischen Pocketslider, einigen Linsen, der EOS und der NEX suchten wir uns also eine feine Location und wurden im Süden […]

  • Rafał says:

    Hi 🙂 Could you share complete shopping list with model numbers and maybe links? I’ll be very very grateful for your support.

  • uwe says:

    Hallo,

    ich bin begeistert von diesem Beitrag hier, nicht zuletzt weil ich auch vor habe einen Slider in dieser Art selbst nach zu bauen.

    Bei einem Punkt bin ich mir jedoch noch unklar.
    Du schreibst, dass Dein Modell der Pocketslider sei. Auf der Seite auf der die aktuelle Version des Sliders angeboten wird findet man auch ein paar Tipps zum Selbstbau.

    Darin wird von einem Motor mit Übersetzungsverhältnis von 1:600 geschrieben.
    Du erwähnst hier im Blog, dass die maximale Geschwindigkeit in der der Slider 1 m zurück legen kann bei ca. 6 min liegt.

    Ist diese Angabe in etwa korrekt?

    Ich frage mich deshalb weil ich anderen Videos gesehen habe wo die Rede ist von ca. 8 Sek. für 1m. Dann zwar mit einem Motor der mit 1:50 übersetzt ist aber ich durchblicke dieses Verhältnis trotzdem noch nicht so ganz.

    In vielen Demos zu Timelapseaufnahmen sieht man eine deutlich schnellere Sliderbewegung. Sprich bei ca. 5-8 Sek. Clip scheint der Slider ca. 1 m gefahren zu sein während dessen viele einzelene Bilder gemacht wurden.
    Wurde dafür eine sehr langsame Fahrt aufgenommen?

    Auf was ich hinaus will:
    – schnellerer Motor = schnellere Fahrten = kürzere Fahrten im fertigen Film?

    Der Motor auf Deinem Slider – ist das ein 1:600 Motor der eher sehr langsame Fahrten realisiert?
    Macht der wirklich nur 1m in 6 min maximal?

    Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen damit ich dann doch den richtigen Motor besorge.

    Viele Grüße
    uwe

    • Daniel says:

      Hallo Uwe,

      zunächst ein großes Sorry für die verspätete Antwort an dieser Stelle. Über die Feiertage blieb ein wenig was liegen. Vorweg sei gesagt, dass die Hinweise und Tipps auf der Seite zum Slider auf dem ersten Modell basieren, welches von Ben gefertigt wurde. Ob bei den weiteren Varianten identische Komponenten verbaut worden sind kann ich dir aktuell nicht sagen. Da mein Slider schon anders aussieht, als jener auf der Webseite (feine Details wie die LED Farbe haben sich geändert), darf nicht zwingend von einer Konsistenz der Bauteile ausgegangen werden. Aktuell ist mein Slider verliehen und ich erhalte ich zu Beginn der kommenden Woche zurück. Dann werde ich hier gerne nochmals aktuelle Zeiten der Fahrgeschwindigkeit für dich messen. Dass der Slider 1 m in 8 Sek. zurücklegt ist aber definitiv falsch. So schnell ist er nicht 🙂

      Die Fahrten, die man in einem finalen Video sieht entsprechen ja nicht der wirklichen Aufnahmezeit. Diese ergibt sich ja viel mehr aus dem Bild, welches man am Ende haben möchte. Beispielsweise fährt die Cam an einem naheliegenden Baumstamm vorbei während am Horizont die Sonne unter geht. Dieser Vorgang kann unter Umständen ja auch 1-2 Stunden dauern, ist im finalen Film aber dann nur 5 Sekunden lang. Hier spielt die finale Geschwindigkeit im Video dann die entscheidende Rolle. Daher kannst du die “Gleichung” nicht 100% so aufstellen wie du es getan hast. Natürlich fährt ein schnellerer Motor die Strecke in kürzerer Zeit ab und die Fahrt im Film lässt sich dann nur schwer strecken. Aber umgekehrt gilt dies eben nicht zwangsläufig.

      Ich hoffe das war halbwegs verständlich 🙂 Ich melde mich kommende Woche nochmals mit Details zum Motor.

      Viele Grüße und ein frohes Neues,
      Daniel

  • Daniel says:

    Etwas verspätet, aber besser als nie 🙂 Ich habe die Zeit, die mein Slider braucht einmal gemessen und es sind rund 70 Sekunden um den Slider in der schnellsten Geschwindigkeit zu bewegen, dies entspricht in etwa den Angaben auf der Pocketsliderseite wo es heisst ” max: 90 sec / meter, min: 18min / meter”. Ich selber habe ja die etwas kürzere Version 🙂

    Ich hoffe das hilft dir nun etwas weiter.
    Viele Grüße,
    Daniel

  • Hallo lieber Konstrukteur dieses wahrhaft preisWERTEN(!) Sliders. Gegenüber den großen Anbietern im Netz, gibt es beim Pocketslider wirklich etwas sehenswertes als Gegenwert!

    Schade nur, dass viele Videofreunde einen kleinen Wehrmutstropfen abbekommen, denn die schnellste Geschwindigkeit des Sliders ist eigentlich nicht so wirklich zum Filmen geeignet. Da ist man schon darauf angewiesen, die Timelapse-Aufnahmen zum Video zu konvertieren.

    Geht das wirklich nicht ein wenig schneller?

    Viele Grüße aus Köln – Jürgen

    • Daniel says:

      Lieber Jürgen,

      danke für deinen Kommentar. Diese Frage ist jedoch bei Ben von Pocketslider.de besser aufgehoben. Ich bin selber ja auch nur User und nicht an der Entwicklung des Gerätes beteiligt.

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